Foto des Raesfelder Musikvereins von 1927

Foto des Raesfelder Musikvereins von 1927

Unterer Reihe v. l. n. r.:
Josef Knoop, Schlüter (Weseke), Martin Drescher, Josef Potthoff, Bernhard Fölting, Bernhard Hater

Mittlere Reihe v. l. n. r.:
Josef Mersmann, Bernhard Siemens, Fosef Fölting, Bernhard Stenert, Heinrich Brömmel

Obere Reihe v. l. n. r.:
Heinrich Heyng, Johann Riepen

Die ersten Jahre

Im Inflationsjahr 1923 steht in der Borkener Zeitung eine Annonce, die manchen Raesfelder gleich zweimal liest. "Wer bildet eine Musikkapelle aus?" Diese Kapelle existierte zunächst nur in den Köpfen einiger musikbegeisterter junger Männer um Heinrich Brömmel und Josef Fölting. Die Anzeige hat zweifachen Erfolg! Zum einen kommt es zum Gespräch mit dem erfahrenen Blasmusiker Schroer aus Grütlohn und zum anderen interessiert sich der Raesfelder Krieger- und der Schützenverein für dieses Unternehmen.

Als sich im Herbst 1924 etwa ein Dutzend Männer zur Gründung entschließen, steht die Freude an der Musik am Anfang und die Sorge um die Beschaffung von Instrumenten am Ende dieses Vorhabens. Nach Überwindung der finanziellen Probleme durch die Hilfe des Gemeindevorstehers Johann Fasselt-Hemkamp und der Unterstützung der interessierten Vereine wird ein Übungsleiter gesucht und in Borken gefunden.

Neben finanziellen Sorgen bereitete auch das Musizieren erhebliche Schwierigkeiten. Beim ersten Auftritt, es wurde der Marsch "Gruß ans Liebchen"  - übrigens in halbem Tempo - gespielt, standen dem Lehrer die Haare zu Berge. Frohgelaunt und kaputt kehrten sie in die Schenke "zum alten Eimer" ein und vergessen in der lustigen Runde ihr Liebchen daheim. Einig waren sie sich, dass es eine Kunst ist, vom Blatt Noten zu lesen und dabei geradeaus zu marschieren.

 

Im Frühjahr 1924 tritt Josef Potthoff der Musikgruppe bei. Er hat die Blasmusik im Kaiserlichen Heer gelernt und spielt die Trompete. Sein Können und sein Fleiß als Ausbilder und aushilfsweise als Dirigent führen in der noch jungen, unerfahrenen Kapelle zu einer spürbaren Leistungssteigerung. Fehlen damals Noten, so schreibt Josef Potthoff diese selbst. Auch ist er es, der mit seiner militärisch musikalischen Ausbildung seinen Mitstreitern das richtige Marschieren beibringt.

Zum Sommerschützenfest 1927 spielt zum ersten mal keine auswärtige Kapelle. Damals war es üblich, dass man sich die Musikstücke "erkauft". Der Tänzer oder Zuhörer geht zur Musikkapelle, wünscht sich sein Musikstück und bezahlt dann mit einem Betrag nach seinem Ermessen. Um anderen Mitstreitern zuvor zu kommen, passiert es häufig, dass sich "Käufer" gegenseitig überbieten. So wird mit jedem Musikstück ein Teil der Schulden für die Instrumente fortgeblasen.

Im Frühjahr 1924 tritt Josef Potthoff der Musikgruppe bei.
 
Musterung

Die zwölf Jahre des "Dritten-Reiches"

1933 - 1945

Die Idee eines höheren Führers der SA aus Bocholt, eine starke SA-Musikkapelle aufzustellen schlägt fehl, da sowohl die Raesfelder als auch andere Musikkapellen dem Befehl, zur wöchentlichen Probe zu erscheinen, nicht nachkommen. Über mangelnde Arbeit können sich die Musiker jedoch nicht beklagen. Sie werden zu staatlichen Feiertagen, zu politischen Versammlungen, zu Konzerten für das Winterhilfswert etc. benötigt.

Von der Musterung aus dem Jahre 1938 sind die nachfolgenden Fotos. Damals war es üblich, dass die jungen Männer unter Musikbegleitung zur Feier ihrer Musterung durchs Dorf zogen.

 

Ein neuer Anfang

In den ersten Nachkriegsjahren denken Heinrich Brömmel, Josef Fölting und Johann Riepen über einen Neubeginn des Musikvereins nach. Hoffnungsvoll gehen sie an die Arbeit, suchen nach abgestellten Instrumenten und finden zu ihrer großen Freude auch den alten Notenschrank unbeschädigt mit seinem wertvollen Inhalt wieder. Neben einigen Instrumenten und Notenmaterial fehlen jedoch vor allem die alten Freunde. Die vertrauten Klänge erklingen zunächst nur im Wohnzimmer von Heinrich Brömmel, wo die Probenstunden abgehalten werden. Im Winter 1946 / 47 spielen die Musiker wieder auf Hochzeiten.

Der 13. Juni 1948 ist für Jung und Alt ein Festtag. Raesfeld feiert sein erstes Nachkriegsschützenfest. Der Termin lag goldrichtig, da am folgenden Sonntag der Tag der Währungsreform war, an dem jeder Bürger das sogenannte Kopfgeld erhielt. Für ein Schützenfest wäre da keine Mark übriggeblieben. Das Nachsehen hatten in diesem Fall die Musiker. Das verdiente Geld, vor allem das Trinkgeld, hatte schon eine Woche später keinen Wert mehr.

Eine neue Generation

In den 50-er Jahren bricht eine neue Musikwelt heran. Vor allem die Jugend fordert neue Rhythmen. Im Herbst 1951 tritt Heinrich Brömmel aus, er ist gegen die neuen Stücke und Schlager wie "Lore leih mir dein Herz". Er gibt die Leitung auf, bleibt dem Verein aber stets verbunden. Mit Karl Moff aus Borken wird ein neuer Dirigent gefunden, neue Musiker, wie Johannes Schmittkamp und Alois Jossten können gewonnen werden.  In diesen Jahren treten viele der älteren Musiker aus dem Verein aus und die Dirigenten wechseln zweimal. Leider ist der musikalische Nachwuchs zu der Zeit in Raesfeld dünn gesät. Einige junge Männer versuchen sich als Musikanten, doch nur wenige erlernen das Musizieren und bleiben dem Verein treu. Einer davon - Walter Nießing.

Gästenbitter
Gästenbitter
Probe
Probe
 
1962:Hubert Nießing: mit dem Tenorhorn musizierend und gleichzeitig dirigierend
1962:Hubert Nießing: mit dem Tenorhorn musizierend und gleichzeitig dirigierend
Die Raesfelder Burgmusikanten 1974 zum 50-jährigen Jubiläum
Die Raesfelder Burgmusikanten 1974 zum 50-jährigen Jubiläum

Die Raesfelder Burgmusikanten 1974 zum 50-jährigen Jubiläum

Untere Reihe v. l. n. r.:
Hubert Nießing, Martin Terhart, Johannes Heyng, Hans-Josef Joosten, Ewald Heyng

Zweite Reihe v. l. n. r.:
Dieter Schär, Alois Joosten, Otto Leiting, Johannes Dahlhaus

Dritte Reihe v. l. n. r.:
Karl-Heinz Groß-Onnebrink, Johannes Paus-Köster, Hubert Henneböhl, Werner Krabbe

Obere Reihe v. l. n. r.:
Herman Stegerhütte, Josef Schwane, Johannes Paß, Josef Hünting, Hermann Tünte

Es brechen neue Zeiten an

Im Jahr 1962 sind noch 7 Musiker im Verein. Das sind Hubert Nießing, Otto Leiting, Alois Joosten, Johannes Telöken, Hubert Henneböhl und Ewald Heyng. Hubert Nießing erklärt sich bereit, die musikalische Leitung zu übernehmen. Daneben will man sich intensiv um den Nachwuchs bemühen.

In der Zeitung wird 1962 für die Raesfelder Musik geworben - mit Erfolg. Fünf junge Kräfte meldeten sich und in den folgenden Jahren wirbt man wieder um junge Leute - erfolgreich.

Im Oktober 1964 beim 40-jährigen Bestehen hat sich neben den Musikanten auch ein Vorstand aus musikinteressierten, passiven Vereinsmitgliedern etabliert. Dazu gehören der Vorsitzende Hermann Stegerhütte, der Kassenwart Johannes Pass sowie Josef Schwane, Hermann Tünte und Josef Hünting.

Im Jahr 1968 gibt sich der Raesfelder Musikverein nach 44 Jahren einen neuen Namen. Auf die Idee kommt man nach der Probe bei Oelkes, wo man bei geistigen Getränken noch etwas zusammensitzt. "Nur" Musikverein möchte man nicht mehr heißen, daher sucht man gemeinsam nach einem "vernünftigen" Namen. Werner Krabbe kommt auf die Idee "Raesfelder Burgmusikanten", da er angeblich von einem ortsfremden Zuhörer gefragt worden war, ob sie die Raesfelder Schlossmusikanten wären.

 
Die ersten Jugendgruppen
Die ersten Jugendgruppen

Die ersten Jugendgruppen

Nach den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum 1974 beschließt der Verein, eine Jugendgruppe zu gründen. Dazu wird beim Osterkonzert 1975 eine Aufnahmeaktion gestartet, bei der "speziell Kinder ab 10 Jahren" sowie "jederzeit interessierte junge Männer, eventuell auch Damen" angesprochen werden sollen. Als Proberaum dienen Flure und Nebenräume der Bauernschaftsschule. 1976 spielt die neue Jugendgruppe zum ersten Mal beim Frühkonzert im Festzelt und 1980 wird bereits über die Gründung einer weiteren Jugendgruppe diskutiert. Doch finden verschiedene Aufrufe nur wenig Resonanz und es treten nur einzelne Jugendliche dem Verein bei, die jedoch schnell integriert werden können.

Erst 1986 verzeichnen die Werbeaktionen Erfolg. 15 Jungen und Mädchen finden sich in einer neuen Jugendgruppe zusammen. 1991 wird eine weitere Jugendgruppe gegründet. Das Anwachsen der Gruppe führt dazu, dass der 1982 bezogene Proberaum in der Alexanderschule als allen Nähten platzt. 1993 ziehen die Raesfelder Burgmusikanten erneut um - in den neuen Raum an der Mehrfachsporthalle.

Seit 2006 proben die Raesfelder Burgmusikanten im Probehaus "Venne" am Vennekenweg 20 in Raesfeld.